CAPOEIRA ANGOLA FÜR KINDER
GCFA - GRUPO DE CAPOEIRA FILHOTES DE ANGOLA

Filhotes (Jungtiere) da draußen! Kommt vorbei und bringt eure Eltern mit! (Bei den ersten Malen ;-)

Wir trainieren Capoeira Angola, immer Donnerstags von 16:30 - 17:30 Uhr in der Kapelle am Urban in Berlin Kreuzberg.

GCFA - GRUPO DE CAPOEIRA FILHOS DE ANGOLA / GRUPO DE CAPOEIRA FILHOTES DE ANGOLA

in Co-operation with YLY - YOUTH LION YOGA

TAG

Jeden Donnerstag von 16:30 - 17:30 Uhr

DIRECTIONS Kapelle am Urban, Grimmstraße 10, 10967 Berlin

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Capoeira Angola – eine kleine Definition

Capoeira Angola ist eine afro-brasilianische Bewegungsform, die Elemente des Kampfes und Tanzes vereint. Von rhythmischer Musik begleitet tanzen bzw. kämpfen zwei SpielerInnen in dialogischer Form im Rhythmus der traditionellen afrobrasilianischen Musik. Alte und junge, arme und reiche, starke und schwache Kinder, Männer und Frauen, sie alle finden sich zusammen, um an der Roda de Capoeira, dem Kreis des Geschehens, teilzuhaben.

Didaktisches Potential der Capoeira Angola

Der Kampf-Tanz Capoeira Angola setzt kreative Energie frei. Als Capoeirista lernt man Körpergefühl, Gleichgewichtssinn und motorische Koordination zu erlangen, sowie Reaktions-vermögen, Schnelligkeit und Flexibilität auf spielerischer Ebene auszubilden. Über das Erlernen der natürlichen Musikerziehung und in diesem Zusammenhang der Sprache der Musik im Einklang mit dem Eigenen und dem „Anderen“ stärkt Capoeira die Verbindung mit der Außenwelt. Der physische und psychische Dialog mit dem anderen Spieler sowie mit der Gruppe fördert des Weiteren auch die (interkulturelle) Kommunikation. Auf diese Weise macht Capoeira Perspektiv-übernahmen sowie Perspektivakzeptanz möglich. Die demokra-tische Philosophie der afrobrasilianischen Bewegungsform vermittelt zudem den Dialog mit dem „Anderen“. Darüber werden durch unsere Gesellschaftsform geförderte und angelernte kompetitive bzw. destruktive Strukturen dekonstru-iert und modifiziert.

Eine wichtige Säule der Capoeira ist es zu zeigen, dass es nicht um (ungesunden) Wettbewerb und Leistung geht, sondern um eine Form des physischen und psychischen Dialogs mit dem Anderen, gleich ob alt, jung, klein, groß, schwach oder stark. Ziel ist die Selbstbewusstheit und nicht der Wettstreit mit dem Gegenüber. Aus gesellschaftlichen Strukturen resultierender Leistungsdruck und -zwang fällt von den Kindern ab und macht das freizeitliche Leben zu etwas Angenehmen und Meditativen. Das Erlernen der nicht-verbalen Kommunikation durch Körper- und Musiksprache ist eine basale, natürliche Art der Kommunikation ähnlich dem Mutterspracherwerb. Über die geistige und physische Kontrolle, die das Kind durch Capoeira erhält, lernt es auch emotionale Reaktionen wahr zu nehmen und zu beherrschen. Capoeira ist dazu dienlich, das Selbst zu erkennen um, darin ruhend, kulturelle Gewohnheiten in einer sozialen Gruppe zu leben.

Die Vermittlung erfolgt über die Methode der Mündlichkeit und der Imitation und betont die Rolle der Intuition. Diese didaktische Vorge-hensweise entlastet kontrastiv den „starren“ Fokus auf Schriftlichkeit und Empirie unserer Kultur. Über den bilingualen Ansatz (Portugiesisch und Landesprache bzw. Eng-lisch) des musischen Aspekts der Capoeira Angola erlernen Capoeiristas spielerisch eine weitere Fremdsprache. Die Multikulturalität innerhalb der weltweiten Capoeira Angola Gemeinschaft erweitert zudem den kulturellen Hori-zont eines jeden Einzelnen.

Das didaktische Potential der Capoeira liegt somit auch in ihrer Methodenvielfalt. Der Unterricht berücksichtigt alle Lerntypen. Capoeira Angola besteht aus einem Zusammenspiel vieler Disziplinen und bietet insofern für jede/n Entwicklungspotenzial. Da neben den klassischen, pädagogischen Kompetenzen, wie Audition, Visualität, Kommunikation und Motorik auch die Betonung auf Intuition, Mündlichkeit und den Dialog gelegt wird, kann die „Capoeira-Didaktik“ als ein universelles und holistisches Lernmodell gesehen werden.

Capoeira als konfliktive und therapeutische Sozialarbeit

In Brasilien wird Capoeira Angola auch und insbesondere für Kinder aus sozial schwachen Familien angeboten. Dort bildet Capoeira eine Form von sozialer Grundlagenerziehung, die mehr und mehr in den gemeinen Schulunterricht integriert wird und in wissenschaftlicher Auseinandersetzung auch an den Universitäten Einzug hält. Ein Capoeirista erlernt, seinem Gegenüber nicht feindlich oder kompetitiv, sondern friedlich und kommunizierend gegenüber zu treten. Auf diese Weise dient die Capoeira auch als therapeutische Konflikt-bewältigung bei der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugend-lichen.

Die Gruppe GCFA und ihr Meister „Mestre Laercio“

Mestre Laércio (Laércio dos Anjos Borges) wurde 1966 in Salvador da Bahia in Brasilien geboren und fing im Alter von 12 Jahren an, Capoeira Angola zu spielen. Dort erlernte Mestre Laércio die Kunst der Capoeira von Mestre Caiçara und vielen anderen angesehenen Meistern. Im Jahre 1984 gründete er mit, Mestre Roberval, Mestre Rosalvo und anderen die Capoeira-Gruppe “Grupo de Capoeira Filhos de Angola”. In seinem Bemühen, diese facettenreiche Kultur in ihrer reichen Tradition zu erhalten wurde er ebenfalls Gründungsmitglied der 1991 entstandenen Associação Brasileira de Capoeira Angola (ABCA). Beiden Gruppen ist es ein Anliegen, die traditionellen Wurzeln der Capoeira zu bewahren. Die Gruppe Filhos de Angola gründete in Salvador da Bahia ein Projekt, welches bedürftige Kinder im Stadtviertel Cosme de Farias unterstützt und Capoeira unterrichtet. Im Laufe der Jahre wuchs die Gruppe in Salvador und begann sich weltweit zu verbreiten. Während Mestre Roberval die Verantwortung für die Aktivitäten der Gruppe in Brasilien übernahm, ging Mestre Laércio 1993 nach Europa, um die Kunst, das Wissen und die Philosophie der Capoeira Angola in Europa zu vermitteln und weiterzugeben. Mestre Laércio lebt und trainiert in Berlin, er gibt Workshops in ganz Europa.

Die Gruppe Filhos de Angola in Berlin hat derzeit ca. 40 Mitglieder. Das reguläre Training findet seit 2000 in der Naunynritze und zwei weiteren Trainingsorten in Kreuzberg statt, zusätzlich werden Rodas, Workshops und kulturelle Veranstaltungen in Europa und der Welt organisiert.

„Capoeira e pra homen, menino e mulher! - Capoeira ist für Mann, Frau und Kind!“